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Verwandschaft im Schmerz
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Kein Ort. Nirgends. (Taschenbuch) In "Kein Ort. Nirgend" schildert Christa Wolf in gewohnt virtuoser Weise eine fiktive Begegnung zwischen zwei großen Verzweifelten der Literaturgeschichte, Heinrich von Kleist und Karoline von Günderode. Dass dieser Roman allein seiner stilistischen Schönheit wegen die Lektüre wert ist, sei vorangestellt, doch darüber hinaus gelingt es der Autorin auf beispiellose Weise, eine Stimmung einzufangen, ein Gefühl der Verzweiflung und der Traurigkeit, das zuerst jede der beiden Personen auf individuelle und isolierende Weise zu charakterisieren scheint und dann im Verlauf des Textes immer mehr eine tiefe Nähe, ja, eine Seelenverwandschaft heraufbeschwört, die mehr als nur anrührt, die so verbindend, so bedeutend für die Protagonisten ist, dass sie sich niemals in Erfüllung und Glück auflösen kann, sondern nur durch den Schmerz der Unmöglichkeit in ihrer ganzen Schönheit erhalten wird. "Kein Ort. Nirgends" ist keine leichte Lektüre, es ist nicht erheiternd und noch nicht einmal im Ansatz bietet es dem Leser die Möglichkeit, zu hoffen, dass das Schicksal jenen beiden Einsamen jemals Glück zubilligen könnte. Doch es ist von einer zauberisch anmutenden Schönheit, von einer Poesie wie man sie bei Prosatexten nur selten findet und es entführt den Leser in eine magische Welt, in der die Erkenntnis eines gemeinsam empfundenen Schmerzes mehr bedeutet und weit schöner ist als jede Aussicht auf Erfüllung.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 23. August 2002 |