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| Ulrich Greiners Lyrikverführer. Eine Gebrauchsanweisung zum Lesen von Gedichten.
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Freude an Gedichten
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Ulrich Greiners Lyrikverführer. Eine Gebrauchsanweisung zum Lesen von Gedichten. (Gebundene Ausgabe) Gleich im ersten Abschnitt versichert Ulrich Greiner, dass "dieses Buch nicht für Germanisten [...] geschrieben ist, sondern für Leser, die Gedichte lieben", was sicherlich eine sehr löbliche Absicht ist. Allerdings sollte man auch Germanisten nicht grundsätzlich die Fähigkeit absprechen, Gedichte lieben zu können. Diese "Gebrauchsanweisung zum Lesen von Gedichten" ist in zwei große Kapitel gegliedert: einen theoretischen und einen praktischen Teil. Außerdem fügt der Autor noch einen Anhang hinzu, der die wichtigsten Termini der Gedichtinterpretation bereit stellt, eine Auswahl von Gedichtanthologien aufführt, ein Quellenverzeichnis und ein Register bietet. Der erste Teil - "Was ist ein Gedicht" - dient dazu, die Voraussetzungen zum tieferen Verständnis des zweiten zu schaffen. Aber auch die Theorie, die unterschiedliche Aspekte des ly<rischen Schaffens erläutert, ist alles andere als grau. Denn der Autor beantwortet die oben gestellte Frage mit der Aussage, dass das Gedicht eine Erzählung, ein Lied, ein Gefühl, eine Idee, eine Form, ein Rätsel oder ein Spiel sei und belegt dies anhand einer Fülle von Beispielen, die von den Anfängen der lyrischen Produktion bis in die unmittelbare Gegenwart reichen. Wobei er - ganz nebenbei - so etwas wie eine kleine Geschichte der abendländischen Lyrik mitliefert. Wenn man beim Lesen dieser Handreichung durch die überaus lebendige Darstellung auf den Geschmack gekommen ist, wird man mit umso größerem Gewinn den zweiten Teil - "Wie versteht man ein Gedicht?" - in sich aufnehmen. In elf Beispielen, die von dem Klassiker Friedrich Hölderlin bis zu der noch nicht 30-jährigen Nadja Küchenmeister reichen, zeigt Ulrich Greiner, wie durch eine Interpretation das Verständnis für ein Gedicht vertieft werden kann. Dabei macht er sehr schön deutlich, dass eine Gedichtinterpretation immer auch die des jeweiligen Verfassers - also einerseits im weitesten Sinne subjektiv - ist, dass sie aber andererseits unbedingt "stimmig", d.h. durch den Text selbst legitimiert sein muss. Ein ganz besonderer Vorzug dieser Analysen liegt darin, dass keine mehr als 2 1/2 Seiten umfasst, dass man sich als Leser aber trotzdem erschöpfend informiert fühlt. Diese Qualität geht auf die Tatsache zurück, dass sämtliche Interpretationen in der von Marcel Reich-Ranicki seit 1974 herausgegebenen "Frankfurter Anthologie" erschienen sind, die den Autoren vorschreibt, wie lang das Gedicht (42 Zeilen) und der Kommentar (4000 Zeichen) höchstens sein dürfen. Mir scheint, dass Ulrich Greiner nicht zu viel versprochen hat und er die Leser sehr wohl zum Lesen von Gedichten verführen kann. Und vielleicht sollte man das kleine Buch sogar als Schullektüre empfehlen. In jedem Fall aber bietet es Deutschlehrern eine Fülle von Anregungen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 6. Mai 2010 | | | | | | | |
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